Zwei Nächte verbringen wir auf dem Eco Kamp Oaza oberhalb der Tara-Schlucht. Wir fühlen uns wohl und genießen die Ruhe und die leckere Küche. Hier hat eine Familie ihr Land zum Campingplatz umfunktioniert. Die Wiese ist großzügig und bietet genug Freiraum zwischen den Campern. Und auch das Essen im eigenen Restaurant – liebevoll selbst zubereitet – ist ein wahrer Gaumenschmaus. Doch wir wollen weiter. Wir verabschieden uns von Silke und Oliver und fahren Richtung Küste nach Süden. Durch eine beeindruckende, schroffe und baumbewachsene, felsige Landschaft.

Montenegro hat davon einiges zu bieten. Es ist ein Paradies für Abenteurer. Wir folgen der Tara, die bekannt ist für ihre Wildwasser-Rafting-Angebote. Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, cruist hier gemütlich über kurvige Straßen zwischen hoch aufragenden Kalksteinfelsen. Auch Camper finden ein gutes Angebot an Campingplätzen und Orten zum Freistehen. Wir sind nicht die einzigen, die heute die Tara-Brücke überqueren wollen. Dieser Hotspot ist so gut besucht, dass wir mit unserer dicken Laika keine Chance haben, auch nur kurz anzuhalten. Auf kleinstem Raum drücken sich Markstände, eine Zipline, ein Autokamp und ein Rafting Center zwischen den steil aufragenden Bergen und der Schlucht. Entsprechend voll ist es auch – mitten in den montenegrischen Sommerferien.

Wir fahren weiter und erreichen nach rund 100 kurvigen Kilometern den Stausee Slano Jezero. Nach der Enge der Schlucht fühlen es sich hier ein bisschen maritim an. Die Sicht ist weit, wir stehen auf einer Wiese direkt am Wasser und die Berge machen von hier aus eher den Eindruck von zarten Hügeln. Obwohl der See 1950 für die Versorgung des Wasserkraftwerks Perućica angelegt wurde, hat er dennoch einen ursprünglichen Charakter. Die Ufer des 9 Quadratkilometer großen Sees sind zerklüftet, es gibt viele Inseln und Halbinseln und das Wasser ist ziemlich klar.

Ein junger Rüde begrüßt uns fröhlich und als er merkt, dass es was zu holen gibt, testet er beharrlich und mit viel Selbstbewusstsein unsere Grenzen. Bei mir hätte er sicher irgendwann Erfolg gehabt, aber Silke zeigt ihm deutlich, wann Schluss ist. Das wird ihm irgendwann zu blöd und er versucht sein Glück bei den Campern, die ein Stück von uns entfernt ihre Zelte aufgeschlagen haben.

Ein paar Stunden später kommt Shane mit seinem Wohnmobil an und stellt sich ein Stück von uns entfernt ebenfalls auf die Wiese. Shane haben wir in Gjirokastra in Albanien kennengelernt und da wir ähnliche Routen fahren, treffen wir uns seitdem immer wieder. Die erste Begegnung war auch ziemlich witzig, denn als ein Wohnmobil mit französischem Kennzeichen auf dem kleinen Autokamp einparkte, schaue ich nur kurz zu Silke rüber und sagte „da müssen wir gar nicht hingehen. Das sind Franzosen, die wollen eh mit niemandem Kontakt.“ Und als der bärtige „Franzose“ auch noch ausstieg und auf unsere Laika zulief, war ich schon ziemlich voreingenommen „das wird eh nix“. Doch dann tönte es: „Hi, I´m Shane and I´m from Ireland“. Ja was soll ich sagen: Iren sind bekannt für ihre manchmal schrullige aber immer liebenswerte Freundlichkeit. Das haben wir nicht nur an diesem Abend live erlebt.

Noch etwas später bekommen wir Besuch von einer kleinen Herde Ziegen, die sich über den Schatten unter unserer Markise sehr freuen. Wir lassen sie eine Weile dort ruhen, während wir es uns vor Shanes Camper gemütlich machen. Diesen Tag verbummeln wir. Und auch den nächsten. Uns treibt nichts, das Wetter ist gut und wir fühlen uns sehr wohl.

Inzwischen haben sich auch Silke und Oliver gemeldet, sie sind ganz in unserer Nähe und so verabreden wir uns mit ihnen für den nächsten Tag.

Wir treffen uns in Nikšić, der zweitgrößten Stadt Montenegros. Gegründet im 4. Jahrhundert ist sie heute eher eine Stadt wie viele andere. Landesweit bekannt ist sie für das Bier Nikšićko Pivo. Doch für Bier ist es uns zu heiß. Wir bummeln etwas durch die am Hauptmarkt angrenzenden Läden und lassen uns schließlich im Schatten eines kleinen Cafés nieder. Leider haben wir einen schlechten Tag bei unserer Bedienung erwischt, so dass wir schneller wieder aufbrechen als gedacht.
Nicht weit entfernt – nur rund 10 Kilometer – liegt das Kloster Ostrog, das wir uns als nächstes anschauen wollen.

Montenegro. Blick von Gegenüber auf die steile Felswand, in der das Kloster Ostrog gebaut ist
Blick von Gegenüber auf das Kloster Ostrog
Montenegro Blick vom Kloster Ostrog auf das Prekornica Gebirge
Blick auf das Prekornica Gebirge

In den vergangenen Jahrhunderten wurde der Weg zum Kloster barfuß durch den Wald zurückgelegt. Diesen steilen Pilgerpfad kann man noch heute nutzen, um das Kloster zu besuchen. Alternativ führt eine fünf Kilometer lange Serpentinenstraße zu einem Parkplatz direkt unterhalb der Anlage. Sie ist kaum breit genug für zwei aneinander vorbeifahrende PKW und die Straßenbegrenzung ähnelt eher gut gemeinten Ratschlägen als einem tatsächlichem Schutz. Hier kommt uns die Größe unseres Wohnmobils und der vor uns furchtlos herauffahrende Shane zu Gute. Denn die meisten PKW quetschen sich so nah wie möglich an den Rand, um uns vorbeizulassen.

Anfahrt zum Kloster Ostrog
Dahinter geht es bergab

Das Kloster ist eines der außergewöhnlichsten und vermutlich am meisten besuchten Orte auf dem Balkan. Gegründet wurde es 1656 von Vasilije Josanović, der vor den Türken in diese abgelegene Gegend floh. Um feindliche Angriffe zu erschweren, war die senkrecht aufragende Felswand ideal für seine neue Kirche. Auf rund 900 Metern Höhe ließ er Kirche, Schlafräume und Kapelle direkt in natürliche Felshöhlen hineinbauen. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage durch den Bau einer Klosterherberge, einer weiteren Kirche und einer religiösen Schule erweitert.

Als wir oben ankommen, ist es schon später Nachmittag. Wir parken unsere drei Wohnmobile und laufen die letzten Meter zum Kloster. Tausende Pilger kommen jedes Jahr an diesen Ort, um den Reliquien des Gründers zu huldigen. Wir haben vermutlich Glück, denn es sind zwar immer noch einige aber nicht mehr zu viele Besucher da. Die Anlage selbst ist recht einfach. Aber ihre Aussicht ist unbeschreiblich.

Wir verbringen einen schönen Abend auf dem inzwischen leeren Parkplatz, über uns das hell erleuchtete Kloster inmitten der dunklen Felswand. Ein unwirklicher Anblick. Wir beschließen, am nächsten Morgen zeitig zu starten, um möglichst ohne Gegenverkehr im Tal anzukommen. Pünktlich halb acht sitzen wir in unseren Cockpits, die Sachen im Wohnmobil sicher verstaut. Unser Plan geht auf und ein paar Minuten später treffen wir uns wieder in dem kleinen Ort unterhalb des Klosters.

Unser nächstes Ziel ist der Shkodra-See – den wir schon von der albanischen Seite kennen und der uns dort schon begeistert hat. Der See ist der größte der Balkanhalbinsel und liegt im Grenzgebiet zwischen Montenegro und Albanien. Seine Größe schwankt stark zwischen den Jahreszeiten und beträgt zwischen 370 und 530 km². An seiner montenegrinischen Nordostseite erstreckt sich ein weites, teilweise versumpftes Flachland, das seit 1983 als Nationalpark geschützt ist und über 270 Vogelarten Heimat bietet. Und genau dorthin wollen wir, in diese stille, ursprüngliche Landschaft.

Die Anreise führt wieder über eine schmale Straße, aber diesmal kommt uns niemand entgegen. Aber auch hier ist die Landschaft atemberaubend. Wir folgen dem Fluss Cijevna und erreichen den kleinen Ort Rijeka Crnojevića. Hier machen wir es uns auf dem gleichnamigen Auto Camp gemütlich. Nach und nach trudeln auch Silke, Oliver und Shane ein und wir „errichten“ eine kleine Wagenburg. Mit unseren ausgefahrenen Markisen, ergänzt durch unser Tarp* haben wir in der Mitte einen schattigen Platz geschaffen. Genau das Richtige bei der Hitze dieses Sommers.

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15.-18.08.2022

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