Zwei der schönsten Passstraßen Europas, beide in Rumänien, beide unvergesslich – aber sehr verschieden. Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, muss nicht wählen. Aber wer nur eine fahren kann, sollte wissen, was ihn erwartet.
Zwei Straßen, zwei Charaktere
Rumänien hat uns viele unvergessliche Momente geschenkt – aber zwei Erlebnisse stechen besonders heraus: die Fahrt über die Transfăgărășan und die Tage auf der Transalpina. Beide Straßen schlängeln sich durch die Karpaten, beide erreichen über 2.000 Meter Höhe, und beide haben uns auf ihre ganz eigene Weise beeindruckt.
Die Transfăgărășan ist die Dramatische. Die Straße mit Geschichte, mit Kurven, die einem den Atem rauben, und mit Bären, die einfach so auf der Fahrbahn stehen. Die Transalpina ist eher die Stille. Auf „unserem“ Plateau, auf dem frei standen, hatten wir zwei Nächte lang das Gefühl, die einzigen Menschen auf der Welt zu sein. Mit Pferdebesuch und einer Kuh beim Abschied. Wer beide Straßen in einer Rumänien-Rundreise verbindet, bekommt das volle Bild. Wer nur eine fahren kann, findet hier alle Informationen für die Entscheidung.
Die Transfăgărășan – Drama, Bären und Geschichte

Die Transfăgărășan ist nicht einfach nur eine Passstraße. Sie ist ein Projekt, das tief in die Geschichte Rumäniens eingebettet ist – und heute zu den landschaftlich spektakulärsten Routen Europas zählt.
Ihre Geschichte: gebaut mit TNT und Blut
Dort, wo heute die Transfăgărășan auf bis zu 2.042 Meter die Karpaten hinaufführt, gab es bis in die 1970er Jahre lediglich einen Forstweg. Dann gab Nicolae Ceaușescu den Auftrag, eine Verbindung für schnelle militärische Truppenbewegungen zwischen der Walachei und Transsilvanien zu schaffen.
6.000.000 Kilogramm TNT sprengten die Schneise in den Berg. Rund 3 Millionen Kubikmeter Gestein wurden bewegt, 27 Viadukte und Brücken errichtet. 40 Arbeiter ließen ihr Leben. Wer heute die Kurven hochfährt, fährt auf einem Stück Geschichte.
Highlights auf der Strecke
- Bâlea-Wasserfall – einer der bekanntesten Fotostopps der Straße, auf der Nordseite kurz unterhalb des Tunnels
- Bâlea-See – direkt am höchsten Punkt, umgeben von alpinem Panorama
- Burg Poenari – am Fuß der Nordseite, die „echte“ Dracula-Burg zu erreichen über 1.400 Stufen
- Vidraru-Stausee – auf der Südseite, ruhiger und entspannter als die Nordseite
Bären – und was du wissen musst
Die Transfăgărășan führt durch Bärengebiet – drei von ihnen haben wir auf unserer Fahrt gesehen. Ein Jungtier und einen ausgewachsenen, direkt auf dem Bordstein neben der Straße und einen dritten, der gemächlich über die Fahrbahn stapfte.
Wichtig: Fenster geschlossen halten, nicht aussteigen, keinen Müll hinterlassen. Bären haben eine sehr gute Nase – und ein gut bestückter Kühlschrank ist für sie durchaus interessant. An manchen Stellen vermuteten wir Futterstellen, durch welche die Bären für Touristen angelockt wurden. Das fanden wir ehrlich gesagt ziemlich doof. Wer Bären in freier Wildbahn erleben will, sollte das mit Respekt tun.
Tipp: Früh am Morgen oder zur Zeit der Abenddämmerung sind Bärenbegegnungen häufiger. Wer langsam fährt und aufmerksam bleibt, hat die besten Chancen auf ein echtes Naturerlebnis.
Wohnmobil-Tauglichkeit
Die Transfăgărășan ist anspruchsvoll, aber gut ausgebaut. Mit unserem schon etwas älterem 6-Meter-Wohnmobil mit seinen 120 PS hatten wir keine Probleme – weder mit den Kurven noch mit der Steigung. Größere und schwerere Fahrzeuge sollten jedoch die Motorleistung im Blick behalten: die Nordseite ist steil und die Serpentinen eng.
- Straßenbreite: ausreichend für größere Fahrzeuge, stellenweise aber eng
- Steigung: besonders auf der Nordseite anspruchsvoll
- Kurvenradius: enge Haarnadelkurven – kenne deine Fahrzeugmaße!
- Empfehlung: am besten die Nordseite von Süd nach Nord fahren
Stellplätze
Oben auf dem Pass sind Parkbuchten rar – und wenn es welche gibt, sind sie meist schon besetzt. Wir wollten ursprünglich oben übernachten, mussten diesen Plan aber aufgeben. Stattdessen fanden wir einen wunderschönen Stellplatz im Tal am Ufer eines Flusses mit Blick auf das Gebirge. Das war mindestens genauso schön.
Tipp: Fokussiere dich nicht zu sehr auf den Stellplatz auf dem Gipfel. Wer zur rechten Zeit am richtigen Ort ist, könnte Glück haben. Aber das Tal bietet auch ruhige und schöne Alternativen – Park4Night hilft beim Finden.
Die Transalpina – Stille, Schafe und das Gefühl der Weltabgeschiedenheit

Knapp einen Monat nach der Transfăgărășan-Fahrt standen wir vor der Transalpina. Die Erwartungen waren hoch. Und wurden weit übertroffen. Die Transalpina ist die höchste asphaltierte Straße Rumäniens – und weit mehr als nur ein Weg durch die Berge. Bis auf über 2.100 Meter Höhe schlängelt sie sich mitten durch die Karpaten und eröffnet Ausblicke, die man so schnell nicht vergisst. Enge Serpentinen, steile Anstiege und schmale Abschnitte fordern den Fahrer heraus. Höhentauglichkeit ist von Vorteil, denn so mancher Abhang beginnt direkt hinter der nicht immer vorhandenen Leitplanke. In der Nacht, wenn die Straße für den Verkehr gesperrt ist und die letzten Fahrzeuge wieder im Tal sind, legt sich eine undurchdringliche Stille auf die Gipfel. Besonders in den frühen Morgenstunden oder bei Sonnenuntergang verwandelt sich die Umgebung in ein malerisches Farbenspiel aus Licht und Schatten.
Geschichte: vom Schafspfad zur Königsstraße
Die Geschichte der Transalpina reicht weiter zurück als die der Transfăgărășan. Ursprünglich war sie ein Bergpfad, den örtliche Hirten mit ihren Schafherden nutzten. Einigen Quellen nach begannen aber schon römische Legionen mit dem Bau einer Straße durch die Karpaten. Im Ersten Weltkrieg wurde der Weg für militärische Zwecke ausgebaut, 1937 gab König Carol II. die Sanierung in Auftrag – seitdem trägt sie auch den Namen Königsstraße. Seit 2016 ist sie offiziell asphaltiert und geöffnet.
Highlights auf der Strecke
- Kloster Oașa – direkt am Stausee, etwas abseits an einem Schotterweg, ruhig und fast menschenleer. Sei vorbereitet auf das regelmäßige Glockengeläut
- Stâna Ștefanu – traditioneller Verkaufsstand mit Hirtenkultur, Schaffellen und lokalen Produkten
- Das Hochplateau – ab der Baumgrenze öffnet sich eine Weite, die man so in Europa kaum erwartet
- Nachtfahrverbot – ab Einbruch der Dunkelheit ist die Straße gesperrt, was die Nächte oben absolut still macht
Tiere – die eigentlichen Bewohner
Die Transalpina gehört den Tieren. Schafherden, die sich wie Konfetti über die Bergflanken verteilen und abends von zwei Hütehunden präzise ins Gatter getrieben werden. Pferde, die neugierig ans Wohnmobil kommen und sich mit einem halben Apfel abspeisen lassen. Und eine jugendliche Kuh, die Laika einer gründlichen Inspektion unterzieht – inklusive einer versuchten Roomtour.
Auch auf der Transalpina wird vor Bärenbegegnungen gewarnt. Wir haben keine gesehen.
Wohnmobil-Tauglichkeit
Die Hauptstrecke der Transalpina ist gut asphaltiert und für Wohnmobile problemlos befahrbar. Wer jedoch Abstecher macht – etwa zum Kloster Oașa – muss auf Schotterwege vorbereitet sein, die ordentlich durchschütteln. Und wer einen Stellplatz abseits der Straße sucht, braucht etwas Geduld: nicht jede Einfahrt ist für ein Wohnmobil geeignet.
- Hauptstraße: gut ausgebaut, keine besonderen Herausforderungen
- Nebenwege: teilweise Schotter und tiefe Löcher – langsam fahren
- Plateau-Zufahrten: oft steil und uneben – Fahrzeug kennen
- Nachtfahrverbot: ab Einbruch der Dunkelheit gesperrt – beginne rechtzeitig mit der Suche nach einem Stellplatz
Stellplätze
Die Transalpina ist ein Paradies für freies Stehen. Oben auf den Gipfeln gibt es Möglichkeiten, die man sich kaum schöner vorstellen kann. Wir haben zwei Nächte auf einem kleinen Plateau verbracht – komplett allein, mit Blick auf die umliegenden Berge und der einzigen Gesellschaft einer Schafherde auf der gegenüberliegenden Flanke.
Einzige Herausforderung: Die Zufahrt war steil und holprig. Wer ein hohes Fahrzeug oder wenig Bodenfreiheit hat, sollte vorher zu Fuß sondieren.
Tipp: Die Transalpina ist nachts für den Verkehr gesperrt – wer oben steht, hat die Straße und die Stille ganz für sich.
Der direkte Vergleich
|
Transfăgărășan |
Transalpina |
|
|
Höchster Punkt |
2.042 m |
2.145 m |
|
Länge gesamt |
ca. 150 km |
ca. 148 km |
|
Öffnungszeit |
Juni – Oktober |
Juni – Oktober |
|
Schwierigkeit WoMo |
Mittel (Nordseite anspruchsvoll) |
Leicht (Hauptstrecke) |
|
Freistehen oben |
Schwierig – kaum Platz |
Sehr gut möglich |
|
Touristenaufkommen |
Hoch – sehr bekannt |
Moderat – noch Geheimtipp |
|
Tiere |
Bären |
Schafe, Pferde, Kühe und manchmal Bären |
|
Geschichte |
Militärstraße Ceaușescu |
Königsstraße, römische Ursprünge |
|
Charakter |
Dramatisch, spektakulär |
Ruhig, weit, ursprünglich |
|
Bestes Erlebnis |
Fahrt selbst + Bâlea-See |
Übernachten auf dem Plateau |
Welche Straße passt zu dir?
Die Transfăgărășan – wenn du…
- eine der bekanntesten Bergstraßen Europas mit eigenen Augen sehen willst
- Bären in freier Wildbahn erleben möchtest
- Geschichte und Landschaft kombinieren willst
- ein weniger erfahrener Wohnmobil-Fahrer bist – die Straße ist gut ausgebaut
Die Transalpina – wenn du…
- Stille und Abgeschiedenheit suchst
- frei stehen und wirklich ankommen willst
- Rumänien abseits der Touristenpfade entdecken möchtest
- gerne mit Tieren in Kontakt kommst – aber lieber mit Schafen als mit Bären
Unser ehrlicher Rat:
Fahr beide. Die Transfăgărășan zuerst – als Einstieg, als Wow-Erlebnis, als erstes Kennenlernen der Karpaten. Und dann, ein paar Tage später, die Transalpina. Als Gegenpol. Als Ort, an dem du bemerkst, dass Rumänien noch viel mehr ist als spektakuläre Straßen.
Praktische Informationen für Wohnmobil-Reisende
Öffnungszeiten
- Beide Straßen sind in der Regel von Juni bis Oktober geöffnet – abhängig von der Schneelage
- 2022 öffnete die Transfăgărășan erst Mitte Juni wegen des langen Winters
- Aktuelle Öffnungszeiten immer vor der Fahrt prüfen
- Die Transalpina ist nachts für den Verkehr gesperrt – am besten Stellplatz vor Einbruch der Dunkelheit finden
Anfahrt
- Transfăgărășan Nordseite: Anfahrt über Sibiu oder Brașov/Bran – wir kamen von Bran
- Transfăgărășan Südseite: Anfahrt über Pitești Richtung Vidraru-Stausee
- Transalpina: Startpunkt im Norden bei Sebeș, Abzweig auf die DN67C
- Beide Straßen lassen sich gut in einer Rundreise durch Siebenbürgen kombinieren
Apps & Stellplatz-Tipps
- Park4Night: unverzichtbar für beide Straßen – aber Bewertungen lesen, nicht alle Plätze sind WoMo-tauglich
- Komoot / AllTrails: für Wanderungen rund um die Pässe
- Offline-Karten laden – das Mobilnetz ist in den Bergen unzuverlässigokay, jetzt noch bilder
Was du mitnehmen solltest
- Ausreichend Wasser und Lebensmittel – Einkaufsmöglichkeiten sind oben rar
- Warme Kleidung – selbst im Sommer kann es oben kühl und windig werden
- Auffahrkeile für unebene Stellplätze
- Geduld beim Stellplatzsuchen – besonders auf der Transfăgărășan oben
Fazit – zwei Straßen, eine Reise
Die Transfăgărășan macht Eindruck. Die Transalpina bringt Frieden. Beide haben uns auf ihre Art berührt – und beide haben unsere Rumänien-Wohnmobilreise zu etwas gemacht, das wir so schnell nicht vergessen werden.
Wenn du nur eine fahren kannst: die Transfăgărășan für das Spektakel, die Transalpina für das Erlebnis. Wenn du beide fahren kannst: mach es. Am besten mit etwas Zeit dazwischen, damit jede Straße für sich wirken kann.
Rumänien steckt voller solcher Momente. Man muss nur hinfahren.
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