Unser Montenegro-Roadtrip mit dem Wohnmobil führt uns von der Adriaküste zurück in die Berge. Wir besuchen den Nevidio-Canyon, fahren einen Teil des Durmitor-Rings durch den Durmitor-Nationalpark und folgen der spektakulären Tunnelstraße entlang des Piva-Stausees bis zur bosnischen Grenze. Nebel nimmt uns zwischendurch die Sicht – aber nicht das Erlebnis.
Nach unserem Besuch in Kotor fahren wir ein Stück an der montenegrinischen Küste entlang. Diese erstreckt sich über knapp 300 Kilometer entlang der Adria. Direkt hinter dem Küstenstreifen steigen die Berge steil an und begünstigen so das mediterrane Klima. Und da wir im August unterwegs sind, ist es entsprechend heiß. Wir erreichen Trsteno Beach, rund 20 Kilometer von Kotor entfernt, wo wir Silke und Oliver wiedersehen.

Übernachten am Strand
Trsteno Beach ist eine schmale Bucht, deren Parkplätze in Terrassenform angelegt sind. An diesem Nachmittag finden wir entspannt noch einen Platz auf einer der oberen Parkterrassen. Neben uns steht noch ein anderes Wohnmobil, bereit für die Nacht.

Am nächsten Morgen laden die Temperaturen zum Baden ein. Und während Silke dem nachgibt, bleibe ich lieber an Land. Ich bin eben eine Landratte, die lieber festen Boden unter den Füßen hat.

Vom Trsteno Beach zurück in die Berge
Dann geht es wieder hinauf in die Berge. Anfangs liegt die Küste noch unter uns und mit jedem Höhenmeter wird der Blick weiter. Irgendwann verschwindet das Meer hinter den Bergen und wir folgen der Straße ins Landesinnere.

Auf den folgenden Kilometern zeigt Montenegro wieder, wie viele unterschiedliche Landschaften in dieses kleine Land passen. Eben noch standen wir am Wasser, jetzt öffnen sich weite Aussichten auf bewaldete Hügel und felsige Berghänge.
Beim nächsten Stopp können wir in der Ferne sogar den Skutarisee und die markanten Berge entlang des Flusses Cijevna sehen. An dessen Ufern haben wir nur wenige Tage zuvor übernachtet.



Sogar die Ebene, in der Podgorica – die Hauptstadt des Landes – liegt, können wir von hier oben sehen.
Übernachtung bei Nikšić
Nach 120 Kilometern finden wir unseren Platz für die Nacht: beim Riverside Restaurant in Rastovac, rund acht Kilometer nördlich von Nikšić. Wir haben die Wiese für uns allein, nicht weit entfernt vom Restaurant. Das liegt idyllisch zwischen Bäumen und an einem kleinen Fluss und wirkt fast wie der Gegenentwurf zur trockenen Landschaft, die wir bisher erlebt haben. Hier können wir auch mal wieder unsere Wäsche waschen und an der Leine hinter Laika zum Trocknen aufhängen.

Am Abend gibt es Pizza und Bier – nach 120 Kilometern genau das Richtige.


Ein Blick in den Nevidio-Canyon
Am nächsten Tag wollen wir die Panoramastraße durch das Durmitor-Gebirge fahren. Unterwegs kommen wir am Nevidio-Canyon vorbei. Von der Brücke sehen wir in die Schlucht, die lange Zeit als unzugänglich galt. Zwischen den steilen Felswänden ist der Fluss stellenweise kaum zu sehen. Genau daher soll auch der Name kommen: Die Komarnica verschwindet zwischen den Felsen und wird gewissermaßen unsichtbar – nevidljiv.
Erst 1965 gelang es einer Gruppe aus Nikšić, die Schlucht vollständig zu durchqueren. Damit galt Nevidio einer der letzten vollständig durchquerten Canyons Europas. Die Angaben zu seiner Länge unterscheiden sich je nachdem, ob die gesamte Schlucht oder nur der begehbare Abschnitt gemeint ist. Die montenegrinische Tourismusorganisation nennt 3,5 Kilometer und rund vier Stunden für eine geführte Durchquerung.


Mit dem Wohnmobil durch den Durmitor-Nationalpark
Vom Nevidio-Canyon fahren wir weiter in Richtung Durmitor. Der Nationalpark liegt im Norden Montenegros und gehört seit 1980 zum UNESCO-Welterbe. Gletscher, Flüsse und unterirdische Wasserläufe haben das Kalksteinmassiv geformt. Rund 50 Gipfel ragen mehr als 2.000 Meter hoch auf, dazwischen liegen Hochflächen, Wälder, Schluchten und kleine Gletscherseen, die hier auch „Bergaugen“ genannt werden.
Der Durmitor-Ring ist eine rund 76 Kilometer lange Panoramastraße durch die Berglandschaft des Nationalparks. Die vollständige Runde beginnt üblicherweise in Žabljak. Wir fahren einen Teil des Rings und folgen der Strecke anschließend in Richtung Piva-Stausee.
Wir folgen der Straße durch eine Landschaft, die mit jedem Kilometer rauer wird. Erst ziehen noch einzelne Kühe zwischen den Felsen umher, dann tauchen verstreute Berghütten auf. Schließlich bleiben fast nur noch grauer Stein, Wiesen und Wolken.



Nebel statt Aussicht an der Vilina Jama
Im Laufe der Fahrt zieht Nebel über die Ebene, bleibt zwischen den Bergen hängen und wird immer dichter. Als wir bei Vilina Jama ankommen, ist die Sicht auf wenige Meter geschrumpf.

Bei Vilina Jama – übersetzt „Feenhöhle“ – handelt es sich um eine Schachthöhle (eine sogenannte Jama). Der Eingang liegt wie ein tiefes, dunkles Loch zwischen den hellen Kalkfelsen. Wie tief es dort tatsächlich hinabgeht, lässt sich von hier oben nicht erkennen. Und näher herantasten wollen wir uns nicht. Ein dünnes, teilweise gerissenes Seil deutet so etwas wie eine Absperrung an.
Direkt neben der Schachthöhle liegt ein kleines Bistro, an dem man sich stärken und etwas Wegzehrung mitnehmen kann.


Ein bisschen schade ist es schon, dass wir jetzt gar nichts mehr sehen. Aber die Wolken haben anders entschieden. Mehr als warten können wir nicht. Ganz allein sind wir dabei nicht. Neben uns steht eine Familie aus Deutschland die mit zwei Erwachsenen und zwei Teenagern in ihrem schmalen Camper unterwegs ist.
Gemeinsam warten wir, bis der Nebel sich etwas verzogen hat. Als die Wolken die Sicht freigeben, fahren wir weiter.


Durch Felsentunnel zum Piva-Stausee
Irgendwann führt die Straße wieder bergab. Sie ist nur grob in den Fels gehauen und die Fahrbahn mit Asphalt überzogen. Am spannendsten sind die Fahrten durch die grob gehauenen, unbeleuchteten Tunnel. Sind sie zuerst noch einspurig und ziemlich schmal, werden sie ein Stück weiter unten etwas breiter.




Dann leuchtet zwischen den grauen Felsen plötzlich das türkisfarbene Wasser des Piva-Stausees. Der See ist kein natürlich entstandener Bergsee. Er wurde in den 1970er-Jahren durch den Bau der Mratinje-Talsperre aufgestaut. Heute wirkt das Wasser fast so, als hätte es schon immer in dieser Schlucht gelegen. Die Straße bietet immer neue Blicke auf schmale Seitenarme, senkrechte Felswände und das tief unten liegende Wasser. Die Trockenheit des Sommers ist auch hier deutlich zu erkennen. Wie ein paar Wochen zuvor am Uvac-Stausee in Serbien.


Übernachten am Kloster Piva
Am Kloster Piva bei Goransko wollen wir übernachten. Als wir einen Mönch um Erlaubnis bitten, verweist er uns auf die Rückkehr des Priesters. Diese Entscheidung muss er treffen. Als dieser kurze Zeit später ankommt, ist er zwar etwas brummig, stimmt aber zu.
Das Kloster sieht von außen vergleichsweise schlicht aus. Seine Geschichte ist dafür umso ungewöhnlicher.
Die Klosterkirche entstand im 16. Jahrhundert. Als der Piva-Stausee geplant wurde, wäre ihr ursprünglicher Standort überflutet worden. Deshalb wurde das Bauwerk ab 1970 Stein für Stein abgetragen und an seinem heutigen Standort wieder aufgebaut. Selbst rund 1.260 Quadratmeter Fresken nahm man von den Wänden und brachte sie anschließend wieder an. 1982 war die aufwendige Umsetzung abgeschlossen.
Am nächsten Tag folgen wir der Piva-Schlucht bis zur Grenze nach Bosnien und Herzegowina.

Über die Tara nach Bosnien und Herzegowina
Dieser Grenzübergang ist etwas Besonderes. Man hatte uns davor gewarnt, diese Strecke zu fahren. Doch das bewirkt bei uns eher das Gegenteil. Wir wollten diese gefährliche Grenze selbst erleben. Erst fahren wir auf einer ganz normalen Straße durch die Grenzanlagen. Hinter der nächsten Kurve sehen wir die schmale Stahlbrücke. Ihre Fahrbahn besteht aus aus Holzbohlen, von denen einige bereits fehlen. Besonders vertrauenserweckend sieht das nicht aus. Die Brücke ist jedoch stabil, bietet einen wunderbaren Blick auf die Tara und bringt uns sicher ins Nachbarland.


Damit endet unsere Reise durch Montenegro. Hinter der Brücke beginnt mit Bosnien und Herzegowina das nächste Kapitel unserer Reise.


