Montenegro gehört zu den kleinsten Ländern Europas – und ist landschaftlich erstaunlich abwechslungsreich. Auf gerade einmal 13.812 Quadratkilometern liegen türkisfarbene Adriabuchten, eine der tiefsten Schluchten Europas und Hochebenen, auf denen im Sommer noch Nebel und Kühe zwischen Karstfelsen stehen. Für uns war das Land Teil unserer großen Balkan-Wohnmobiltour – nach Albanien, Nordmazedonien und Kosovo. Wer plant, mit dem Camper selbst hinzufahren, findet hier wichtige praktische Hinweise sowie eine Übersicht über unsere Route und ihre Highlights.

Ein paar Fakten zu Montenegro

  • Einwohner: rund 620.000
  • Fläche: 13.812 Quadratkilometer
  • Hauptstadt: Podgorica
  • Währung: Euro – obwohl Montenegro weder EU- noch Eurozonen-Mitglied ist, wurde der Euro einseitig als Landeswährung eingeführt
  • Sprache: Montenegrinisch, daneben sind auf kommunaler Ebene auch Serbisch, Bosnisch, Albanisch und Kroatisch anerkannt
  • Unabhängig seit: 2006, nach einem Referendum mit 55,5 Prozent Zustimmung

Praktische Infos für deinen Montenegro-Roadtrip

Einreise: Deutsche Staatsangehörige können mit einem Personalausweis für bis zu 30 Tage nach Montenegro einreisen. Für Aufenthalte bis zu 90 Tagen wird ein Reisepass benötigt. Ein Visum ist in diesem Zeitraum nicht erforderlich. Alle Reisedokumente sollten bei der Einreise noch mindestens drei Monate gültig sein.

Meldepflicht: Ausländische Reisende müssen sich grundsätzlich innerhalb von 24 Stunden am Aufenthaltsort anmelden. Bei Campingplätzen übernimmt das gewöhnlich der Betreiber.

Versicherung: Die Internationale Versicherungskarte, früher Grüne Karte genannt, ist für Montenegro nicht verpflichtend. Als Nachweis des bestehenden Versicherungsschutzes kann sie bei einem Unfall dennoch hilfreich sein. Vor der Reise sollte geprüft werden, ob Montenegro vom eigenen Versicherungsvertrag abgedeckt und das Länderkennzeichen MNE auf der Karte nicht gestrichen ist.

Maut: Ein flächendeckendes Mautsystem gibt es in Montenegro nicht. Gebühren werden unter anderem für den rund vier Kilometer langen Sozina-Tunnel und den etwa 42 Kilometer langen Autobahnabschnitt zwischen Smokovac und Mateševo erhoben. Die Höhe richtet sich nach Fahrzeugklasse, Gewicht, Höhe und teilweise der gefahrenen Strecke. Am Sozina-Tunnel zahlen Wohnmobile bis 3,5 Tonnen derzeit 5 Euro, schwerere Wohnmobile 10 Euro. Bezahlt werden kann bar oder mit Karte.

Tempolimits: Innerorts gelten in der Regel 50 km/h. Wohnmobile und Gespanne dürfen außerorts sowie auf Schnellstraßen höchstens 80 km/h fahren, sofern die Beschilderung kein niedrigeres Limit vorgibt.

Freistehen/Wildcamping: Freies Campen außerhalb ausgewiesener Plätze ist in Montenegro offiziell nicht erlaubt. Während unserer Reise im August 2022 nutzten wir Campingplätze und Plätze, an denen wir um Erlaubnis fragten, standen einzelne Nächte aber auch frei. Ob und wie streng das Verbot kontrolliert wird, kann sich regional und saisonal unterscheiden.

Beste Reisezeit: Mai bis Oktober, wobei es an der Küste im Hochsommer sehr heiß werden kann – in den Bergen (Durmitor, Lovćen) ist es auch im August deutlich kühler, wie wir selbst gemerkt haben.

Straßenzustand: Die wichtigen Verbindungen sind überwiegend asphaltiert, dennoch muss man auch auf Hauptstraßen mit beschädigten Abschnitten und lückenhafter Beschilderung rechnen. Im Gebirge kommen schmale Fahrbahnen, enge Kurven und unbeleuchtete Tunnel hinzu. Mit unserem sechs Meter langen Wohnmobil waren alle von uns gewählten Strecken fahrbar – manche allerdings nur mit Ruhe und Konzentration.

Unsere Route mit dem Wohnmobil durch Montenegro

Montenegro war Teil unseres einjährigen Roadtrips durch Südosteuropa. Wir reisen aus Serbien über den Grenzübergang Dobrakovo ein. Von dort führt unsere Route zunächst durch den Nordosten des Landes bis an den Morača-Fluss bei Podgorica. Anschließend fahren wir durch die Morača-Schlucht wieder nach Norden, besuchen Biogradska Gora und die Tara-Schlucht und wenden uns danach Richtung Süden. Über Nikšić und das Kloster Ostrog erreichen wir den Skutarisee, das Lovćen-Massiv und Kotor. Zum Abschluss führt unsere Reise erneut ins Gebirge: über den Nevidio-Canyon und einen Teil des Durmitor-Rings zum Piva-Stausee und weiter nach Bosnien-Herzegowina.

Die komplette Reise mit allen Zwischenstopps, Übernachtungsplätzen und persönlichen Eindrücken haben wir in sechs Tagebucheinträgen festgehalten:

  1. Ankunft in Montenegro
  2. Wein trinken am Morača-Fluss in Montenegro
  3. Durch Montenegro – das Land des schwarzen Berges
  4. Die Tara-Schlucht, ein Stausee und ein Kloster in Montenegro
  5. Von Rijeka Crnojevića durch das Lovćen-Massiv nach Kotor
  6. Durmitor-Ring, Nevidio-Canyon und Piva-Stausee

Die Highlights im Überblick

Morača-Schlucht und Morača-Kloster

Wohnmobil auf der Straße durch die Morača-Schlucht

Zwischen Podgorica und Kolašin folgt die Straße über viele Kilometer dem Lauf der Morača. Anfangs ist das Tal noch breit, dann rücken die Felswände immer näher zusammen. Die Strecke führt durch zahlreiche, teilweise unbeleuchtete Tunnel und gehört zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Montenegros.

Für die ungefähr 50 Kilometer durch die eigentliche Schlucht benötigten wir reichlich zwei Stunden. Nicht die Straßenbreite allein machte die Fahrt anstrengend, sondern vor allem der starke Schwerlastverkehr. In den engen Tunneln kamen uns immer wieder Lkw entgegen, die teilweise weit in der Fahrbahnmitte fuhren. Bei unserer Fahrt Richtung Norden lagen viele Haltebuchten auf unserer Straßenseite. Dort konnten wir kurze Pausen einlegen und die Landschaft abseits des Verkehrs auf uns wirken lassen.

Am nördlichen Ende der Schlucht besuchten wir das Morača-Kloster. Die heutige Anlage wird von einer Kirche, einer kleinen Kapelle, den Wohngebäuden der Mönche und einem gepflegten Garten gebildet. Bei Regen liefen wir fast allein über das Gelände. Für das Wohnmobil fanden wir in der Nähe des Klosters eine geeignete Parkmöglichkeit.

Die Fahrt durch die Morača-Schlucht ist auch mit einem größeren Wohnmobil machbar. Sie verlangt aber Ruhe, sichere Fahrzeugbeherrschung und deutlich mehr Zeit, als die reine Kilometerzahl vermuten lässt.

Mehr über die Strecke und unseren Besuch im Morača-Kloster findest du in unserem ausführlichen Reisebericht.

Biogradska Gora und Biogradsko Jezero

Biogradsko Jezero im Nationalpark Biogradska Gora

Biogradska Gora ist der kleinste Nationalpark Montenegros. In seinem Zentrum liegt der Biogradsko Jezero, umgeben von einem alten Wald aus Buchen, Bergahorn, Eschen und Weißtannen. Manche Bäume sollen mehrere Jahrhunderte alt sein und eine Höhe von mehr als 40 Metern erreichen.

Wir umrundeten den See auf dem ungefähr 3,4 Kilometer langen Weg. Der überwiegend einfache Pfad führt direkt am Wasser und durch den schattigen Wald. Bei unserem Besuch im August war der Wasserspiegel deutlich gesunken, da sich der See vor allem aus Niederschlag und Schmelzwasser speist.

Schwieriger als der Rundweg war für uns die Parkplatzsuche. Wir kamen an einem Samstag und die Zufahrt zum See war von Pkw gesäumt. Erst nach einigem Rangieren fanden wir am Straßenrand ausreichend Platz für unsere beiden Wohnmobile. Wer den Nationalpark mit einem größeren Fahrzeug besucht, sollte möglichst früh am Tag oder nicht am Wochenende anreisen.

Mehr über unseren Spaziergang um den Biogradsko Jezero erzählen wir im ausführlichen Reisebericht.

Tara-Schlucht

Wohnmobil auf der Straße durch bewaldete Felswände in der Tara-Schlucht

Die Tara hat sich tief in das Karstgestein des nördlichen Montenegro gegraben. Mit stellenweise rund 1.300 Metern Tiefe zählt ihre Schlucht zu den tiefsten Europas. Das türkisfarbene Wasser, die bewaldeten Berghänge und die steilen Felswände begleiten die Straße über viele Kilometer. Seit 1980 gehört die Tara-Schlucht als Teil des Durmitor-Nationalparks zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Einer der bekanntesten Orte ist die Đurđevića-Tara-Brücke. Die fünfbogige Betonbrücke überspannt die Schlucht in bis zu 150 Metern Höhe. Rund um die Brücke befinden sich Aussichtspunkte, Restaurants, Rafting-Anbieter und mehrere Ziplines. Im Hochsommer wird der begrenzte Platz allerdings schnell knapp.

Wir waren im August dort und fanden mit unserem Wohnmobil keine Möglichkeit, sicher anzuhalten. Zwischen Reisebussen, Pkw, Marktständen und anderen Besuchern war der Bereich vollständig belegt. Wer die Brücke in Ruhe ansehen möchte, sollte deshalb möglichst früh kommen und für den Besuch nicht fest mit einem freien Parkplatz unmittelbar an der Brücke rechnen.

Mehr über unsere Fahrt entlang der Tara und die Parkplatzsituation an der Brücke findest du im ausführlichen Reisebericht.

Unser Ruheplatz am Slano Jezero

Wohnmobil auf einer Wiese am Slano Jezero bei Nikšić

Der Slano Jezero gehört nicht zu den großen Sehenswürdigkeiten Montenegros. Gerade deshalb ist er uns in Erinnerung geblieben. Nach rund 100 kurvigen Kilometern durch das Gebirge öffnete sich vor uns eine weite Landschaft aus Wasser, kleinen Inseln und flachen, grünen Ufern.

Wir fanden auf einer Wiese direkt am See einen ruhigen Platz. Aus der geplanten Zwischenübernachtung wurden schließlich zwei verbummelte Tage. Wir saßen am Wasser, trafen einen Reisefreund wieder und bekamen Besuch von einer kleinen Ziegenherde, die den Schatten unter unserer Markise für sich entdeckte.

An unserem Platz am Slano Jezero gab es keine Ver- oder Entsorgungsmöglichkeit und keine touristische Infrastruktur. Einkäufe, Wasser und Entsorgung erledigt man deshalb besser vorher in oder bei Nikšić. Wir standen dort im August 2022 frei. Da freies Campen in Montenegro offiziell nicht erlaubt ist, sollte die aktuelle Situation vor Ort geprüft und der Platz nicht als garantierte Übernachtungsmöglichkeit eingeplant werden.

Mehr über unsere Tage am Slano Jezero und den anschließenden Besuch des Klosters Ostrog findest du im ausführlichen Reisebericht.

Kloster Ostrog

Kloster Ostrog in einer steilen Felswand in Montenegro

Das Kloster Ostrog gehört zu den bedeutendsten orthodoxen Pilgerstätten auf dem Balkan. Seine weißen Gebäude wurden im 17. Jahrhundert in eine fast senkrechte Felswand hineingebaut und scheinen aus der Ferne regelrecht am Berg zu kleben. Mindestens ebenso eindrucksvoll ist der Blick von dort oben über die weite Ebene.

Mit unserem rund sechs Meter langen Wohnmobil fuhren wir die etwa fünf Kilometer lange Serpentinenstraße bis zum oberen Parkplatz. Möglich war das, entspannt war es nicht: Die Straße ist stellenweise kaum breit genug für zwei Pkw und besitzt nur wenige Ausweichmöglichkeiten. Bei Gegenverkehr muss eines der Fahrzeuge teilweise bis zur nächsten breiteren Stelle zurücksetzen.

Wir blieben nach Rücksprache über Nacht auf dem Parkplatz unterhalb des Klosters. Am nächsten Morgen starteten wir gegen 7:30 Uhr und hatten bei der Talfahrt kaum Gegenverkehr. Mit einem großen Wohnmobil würden wir den Besuch deshalb möglichst früh am Morgen oder am späten Nachmittag planen. Ob das Übernachten auf dem Parkplatz weiterhin geduldet wird, sollte unbedingt vor Ort erfragt werden.

Unsere vollständige Erfahrung findest du im Bericht über die Tara-Schlucht, den Slano Jezero und das Kloster Ostrog.

Skutarisee-Nationalpark und Rijeka Crnojevića

Seerosenfelder auf der Rijeka Crnojevića im Skutarisee-Nationalpark

Der Skutarisee liegt im Grenzgebiet zwischen Montenegro und Albanien und ist der größte See der Balkanhalbinsel. Seine Größe schwankt mit dem Wasserstand. An seinem montenegrinischen Ufer erstrecken sich breite Schilfgürtel, Seerosenfelder und Feuchtgebiete, in denen zahlreiche Vogelarten leben. Dazu gehört auch der seltene Krauskopfpelikan – gesehen haben wir ihn auf unserer Bootsfahrt allerdings nicht.

Ausgangspunkt unseres Ausflugs war das kleine Dorf Rijeka Crnojevića. Es war im 15. Jahrhundert zeitweise Residenz des montenegrinischen Herrschers Ivan Crnojević und ist heute vor allem für seine zweibogige Steinbrücke bekannt. Von unserem Campingplatz direkt am Fluss starteten wir zu einer zweistündigen Bootsfahrt. Zwischen Seerosen und Schilf beobachteten wir unter anderem Kormorane, Graureiher und Schwäne. Zwischendurch blieb sogar Zeit für ein Bad im Fluss.

Die Straßen rund um Rijeka Crnojevića sind teilweise schmal und kurvenreich. Mit unserem sechs Meter langen Wohnmobil kamen wir gut zum Campingplatz, für die Fahrt sollte man dennoch etwas mehr Zeit einplanen. Gerade die Übernachtung am Fluss machte diesen Ort für uns zu einem der ruhigsten Höhepunkte Montenegros. Mehr über unsere Bootsfahrt und den Aufenthalt in Rijeka Crnojevića erzählen wir in unserem ausführlichen Reisebericht. Offizielle Informationen zum Skutarisee-Nationalpark

Lovćen-Nationalpark

Karge Hochebene und Berge im Lovćen-Massiv

Der Lovćen erhebt sich unmittelbar hinter der montenegrinischen Küste. Während unten mediterrane Vegetation wächst, ist die Hochebene von hellem Karst, niedrigen Sträuchern und einzelnen Bergdörfern geprägt. Auf unserer Fahrt durch das Massiv wechselten sich Wolken, Nebel und weite Ausblicke innerhalb weniger Kilometer ab.

Oberhalb von Kotor fanden wir am Aussichtspunkt „Best View of Kotor“ einen Platz mit Blick über die gesamte Bucht. Am Abend verzogen sich die Wolken und tief unter uns leuchteten die Orte entlang des Wassers auf. Das war einer der stärksten Ausblicke unserer Montenegro-Reise.

Am nächsten Morgen fuhren wir über die alte Serpentinenstraße hinunter nach Kotor. Ihre 25 Kehren sind mit einem sechs Meter langen Wohnmobil fahrbar, verlangen aber Konzentration. Die Straße ist schmal, besitzt nur wenige Ausweichstellen und wird auch von Reisebussen genutzt. Als uns zwei Busse entgegenkamen, war das Vorbeifahren nur möglich, weil die Fahrer bis zu einer kleinen Parkbucht zurücksetzten.

Wer mit einem größeren Wohnmobil unterwegs ist oder wenig Erfahrung auf schmalen Bergstraßen besitzt, sollte eine andere Zufahrt nach Kotor wählen. Auch mit unserem Fahrzeug würden wir die Strecke wieder möglichst früh fahren und Stopps in den engen Abschnitten vermeiden.

Mehr über unsere Fahrt durch das Lovćen-Massiv und die 25 Serpentinen nach Kotor erzählen wir im ausführlichen Reisebericht.

Kotor und die Bucht von Kotor

Blick vom Lovćen-Massiv auf die Bucht von Kotor

Kotor liegt am Ende einer tief eingeschnittenen, von hohen Bergen umgebenen Adriabucht. Die mittelalterliche Altstadt und die sie umgebende Natur- und Kulturlandschaft der inneren Bucht gehören seit 1979 zum UNESCO-Welterbe. Hinter den Stadttoren führen schmale Gassen zu kleinen Plätzen, Kirchen, Cafés und Häusern, die sich dicht an die steilen Berghänge drängen.

Die Stadt ist ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrtschiffe. Bei unserem Besuch lag die „Silver Spirit“ unmittelbar vor der Altstadt und entsprechend voll waren die Gassen. Wir tranken deshalb nur einen Eiskaffee und entschieden uns anschließend für eine Bootsfahrt durch die Bucht.

Dabei besuchten wir Perast und fuhren an den beiden vorgelagerten Inseln Sveti Đorđe und Gospa od Škrpjela vorbei. Nach der Rückkehr blieb noch Zeit für einen ruhigeren Spaziergang durch Kotor. Dabei begegneten uns natürlich auch die Katzen, die in den Gassen allgegenwärtig sind und inzwischen sogar ein eigenes kleines Museum besitzen.

Mit dem Wohnmobil sollte man nicht versuchen, bis in die Altstadt zu fahren. Wir fanden außerhalb einen geeigneten Parkplatz und erkundeten Kotor zu Fuß und mit dem Boot. Wer Menschenmengen vermeiden möchte, sollte vorab prüfen, ob an diesem Tag Kreuzfahrtschiffe erwartet werden, und möglichst früh am Morgen kommen.

Mehr über Kotor, Perast und unsere Bootsfahrt durch die Bucht findest du in unserem ausführlichen Reisebericht.

Nevidio-Canyon

Blick von der Brücke in den engen Nevidio-Canyon

Der Nevidio-Canyon ist so schmal und tief, dass die Komarnica zwischen seinen Felswänden stellenweise fast vollständig verschwindet. Daher stammt vermutlich auch sein Name: „Nevidio“ lässt sich sinngemäß mit „nicht gesehen“ oder „der Unsichtbare“ übersetzen.

Erst 1965 gelang einer Gruppe aus Nikšić die vollständige Durchquerung der Schlucht. Heute werden geführte Canyoningtouren angeboten, für die Erfahrung, passende Ausrüstung und ein ortskundiger Guide erforderlich sind. Wir selbst haben den Canyon nicht durchquert, sondern lediglich von der Brücke in die Schlucht geschaut.

Schon von dort wird deutlich, wie eng die Felswände zusammenrücken. Der Fluss ist tief unten nur abschnittsweise zu erkennen. Für uns war der Nevidio-Canyon ein kurzer, aber lohnender Zwischenstopp auf dem Weg in den Durmitor-Nationalpark.

Mehr über unseren Halt am Nevidio-Canyon und die anschließende Fahrt durch den Durmitor findest du im ausführlichen Reisebericht.

Durmitor-Nationalpark

Karge Hochebene und Berge im Durmitor-Nationalpark

Rund 50 Gipfel überragen im Durmitor die Marke von 2.000 Metern. Dazwischen liegen Hochflächen, Wälder, Schluchten und 18 Gletscherseen, die auch „Bergaugen“ genannt werden. Gemeinsam mit der Tara-Schlucht gehört der Nationalpark seit 1980 zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Durch diese Landschaft führt der 76 Kilometer lange Durmitor-Ring. Die offizielle Panoramastraße beginnt und endet in Žabljak. Wir fuhren allerdings nicht die vollständige Runde: Vom Nevidio-Canyon kommend folgten wir einem Teil der südlichen Strecke und bogen später Richtung Piva-Stausee ab.

Die schmale Straße führte uns über karge Hochebenen, vorbei an Kalkfelsen, Berghütten und frei laufenden Kühen und Schafen. An der Schachthöhle Vilina Jama wurde der Nebel so dicht, dass wir nur noch wenige Meter weit sehen konnten. Wir warteten, bis sich die Wolken etwas verzogen hatten, und setzten erst danach unsere Fahrt fort.

Mit einem kompakten Wohnmobil ist die Strecke bei guten Bedingungen machbar. Für große Wohnmobile und Wohnwagen kann sie wegen der geringen Fahrbahnbreite, des Gegenverkehrs und der wenigen Ausweichstellen schwierig werden. Vor der Fahrt sollte man Wetter und Straßenzustand prüfen, ausreichend Zeit einplanen und das Fahrzeug in Žabljak oder Nikšić versorgen.

Mehr über unsere Fahrt durch den Durmitor und den Nebel an der Vilina Jama findest du in unserem ausführlichen Reisebericht.

Piva-Stausee und Kloster Piva

Türkisfarbener Piva-Stausee zwischen steilen Felswänden

Nach der kargen Hochfläche des Durmitor führte unsere Strecke durch grob in den Fels geschlagene Tunnel hinunter zum Piva-Stausee. Zwischen den grauen Felswänden tauchte plötzlich das kräftig türkisfarbene Wasser auf. Obwohl der See künstlich angelegt wurde, wirkt er heute wie ein natürlicher Teil der engen Gebirgslandschaft.

Die Straße entlang der Piva-Schlucht war für uns eines der eindrucksvollsten Streckenerlebnisse Montenegros. Sie führt durch zahlreiche unbeleuchtete Tunnel, von denen einige nur einspurig sind. Immer wieder öffnen sich zwischen den Felsen Blicke auf schmale Seitenarme und das weit unterhalb liegende Wasser. Mit unserem Wohnmobil war die Strecke fahrbar, erforderte aber besondere Aufmerksamkeit bei Gegenverkehr und in den engen Tunneln.

Unweit des Sees liegt das Kloster Piva. Die Kirche wurde im 16. Jahrhundert errichtet und hätte durch den Bau des Stausees überflutet werden sollen. Zwischen 1970 und 1982 trug man sie deshalb Stein für Stein ab und errichtete sie an ihrem heutigen Standort neu. Auch rund 1.260 Quadratmeter Fresken wurden abgenommen und anschließend wieder eingesetzt.

Nach Rücksprache durften wir auf dem Gelände des Klosters übernachten. Diese Erlaubnis war eine persönliche Erfahrung und sollte bei einem heutigen Besuch erneut eingeholt werden. Am nächsten Morgen folgten wir der Tunnelstraße weiter durch die Piva-Schlucht bis zur Grenze nach Bosnien und Herzegowina.

Mehr über den Piva-Stausee, die Tunnel und unsere Übernachtung am Kloster erzählen wir im ausführlichen Reisebericht.

Freistehen in Montenegro: erlaubt oder nicht?

Wohnmobil freistehend in Montenegro

Kurz gesagt: nein. Freies Campen außerhalb ausgewiesener Camping- und Stellplätze ist in Montenegro offiziell nicht erlaubt. Wie streng das Verbot kontrolliert wird, kann sich je nach Region und Saison unterscheiden. Besonders an der Küste und in Nationalparks sollte man nicht davon ausgehen, dass das Übernachten außerhalb ausgewiesener Plätze geduldet wird.

Während unserer Reise im August 2022 übernachteten wir sowohl auf Campingplätzen als auch mit ausdrücklicher Erlaubnis an Klöstern und bei einem Restaurant. Einige Nächte standen wir außerdem frei, unter anderem am Slano Jezero und oberhalb von Kotor. Rechtlich erlaubt war das Freistehen auch damals nicht. Unsere Erfahrungen sind deshalb keine Garantie dafür, dass dieselben Plätze heute noch genutzt werden können.

Die App park4night kann bei der Suche nach Campingplätzen und möglichen Übernachtungsplätzen helfen. Ein Eintrag in der App bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Übernachten dort erlaubt oder weiterhin möglich ist. Im Zweifel sollte man vor Ort nachfragen.alb keine Garantie dafür, dass dieselben Plätze heute noch genutzt werden können.

Tipps für deinen Roadtrip mit dem Wohnmobil durch Montenegro

Apps: Wie schon in Albanien und Nordmazedonien war park4night für uns ein wichtiger Begleiter bei der Suche nach Campingplätzen und möglichen Übernachtungsplätzen. Da Einträge veraltet sein können und nicht jeder eingetragene Platz legal genutzt werden darf, sollte man aktuelle Kommentare lesen und die Situation vor Ort prüfen. Für die Navigation auf den Bergstraßen lohnt sich zusätzlich eine Offline-Karte, etwa Google Maps offline, als Absicherung für Gebiete mit schwachem Mobilfunkempfang.

Tanken: Die Kraftstoffpreise werden in Montenegro staatlich reguliert und regelmäßig angepasst. Aktuelle Preise solltest du deshalb kurz vor der Reise prüfen. Tankstellen sind entlang der Hauptstraßen gut verteilt, im Landesinneren aber dünner gesät und oft nur bis 20 Uhr geöffnet – rechtzeitig auffüllen statt auf Reserve fahren. Karten werden meist akzeptiert, etwas Bargeld schadet trotzdem nie.

Einkaufen: In den größeren Städten und an der Küste gibt es ausreichend Supermärkte, im Hochgebirge und abgelegenen Dörfern wird das Angebot dünn – Vorräte lieber vor den Bergetappen auffüllen.

Unterwegs im Gebirge: Viele Bergstraßen sind schmal, kurvenreich und führen durch unbeleuchtete, in den Fels gehauene Tunnel – wie wir selbst auf dem Weg zum Piva-Stausee erlebt haben. Tagsüber gilt ohnehin Lichtpflicht (Abblendlicht oder Tagfahrlicht), was hier besonders hilft. Nachtfahrten abseits der Städte würden wir wegen schlechter Beschilderung nicht empfehlen.

Ausrüstung im Wohnmobil: Verbandszeug, Warnweste und Warndreieck gehören ins Fahrzeug. Ein Ersatzlampenset ist ebenfalls vorgeschrieben, sofern das Fahrzeug nicht mit Xenon-, LED- oder Neonleuchten ausgestattet ist. Bei winterlichen Straßenverhältnissen besteht zwischen dem 15. November und dem 1. April Winterreifenpflicht. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen vom 15. November bis 31. März zusätzlich eine kleine Schneeschaufel mitführen.

Alkohol am Steuer: Die Promillegrenze liegt bei 0,3 – niedriger als in Deutschland.

Internet: Montenegro gehört nicht zur EU, deshalb ist das EU-Roaming nicht automatisch eingeschlossen. Vor der Reise lohnt sich ein Blick in den eigenen Mobilfunktarif. Wir nutzten 2022 eine günstige montenegrinische Touristen-SIM; aktuelle Angebote und Preise sollten vor Ort verglichen werden.

Häufige Fragen zu Montenegro mit dem Wohnmobil

Ist Montenegro sicher für Wohnmobilreisende? Montenegro gilt grundsätzlich als sicheres Reiseland. An touristischen Orten können allerdings Taschendiebstähle und Fahrzeugaufbrüche vorkommen. Für uns waren die engen Bergstraßen, unbeleuchteten Tunnel und der teils unübersichtliche Verkehr die größeren Herausforderungen.

Ist Freistehen erlaubt? Offiziell nein – Details dazu weiter oben im eigenen Abschnitt.

Braucht man für die Wohnmobil-Reise ein Visum? Nein, für deutsche Staatsangehörige nicht, solange der Aufenthalt 90 Tage nicht übersteigt.

Wie lange sollte man für Montenegro einplanen? Wir haben 16 Tage in diesem Land verbracht und wir hätten leicht noch weitere Tage hier verbringen können.

Welche Sprache spricht man in Montenegro? Montenegrinisch, das dem Serbischen sehr nahesteht – mit Englisch kommt man an touristischen Orten gut zurecht.

Kann man den Durmitor-Ring mit dem Wohnmobil fahren? Mit einem kompakten Wohnmobil ist der Durmitor-Ring bei guten Straßen- und Wetterverhältnissen grundsätzlich fahrbar. Die Straße ist jedoch schmal, kurvenreich und besitzt nur wenige Ausweichstellen. Für große Wohnmobile und Gespanne können einzelne Abschnitte schwierig werden. Wir selbst fuhren nicht die vollständige Runde, sondern einen Teil der südlichen Strecke vom Nevidio-Canyon in Richtung Piva-Stausee.

Lohnt sich Montenegro mit dem Wohnmobil?

Ganz klar ja. Montenegro ist klein genug, um Adriaküste, fjordähnliche Bucht, Hochgebirge und Karstschluchten innerhalb von zwei Wochen kennenzulernen, ohne täglich Hunderte Kilometer zurücklegen zu müssen. Für uns war Montenegro der Abschnitt unserer Balkan-Tour mit der größten landschaftlichen Bandbreite – und lässt sich hervorragend mit einem Abstecher nach Albanien im Süden oder weiter nach Bosnien und Herzegowina im Norden verbinden, wo unsere Reise als Nächstes hinführt.

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