Dies ist der 13. und letzte Teil der Serie „Mit dem Wohnmobil ans Nordkapp“ – die ganze Serie findest du hier.
Den nächsten Morgen beginne ich gemütlich. In der Marina Skjeberg ist eine Menge los, ein riesiges Boot wird gerade umgeparkt, ein etwas kleineres Boot aus dem Wasser gezogen. Es ist immer wieder spannend, dem ganzen zuzusehen.

Dann plane ich meine weitere Rückreise. Auf der Karte habe ich gesehen, dass die E6 jetzt ziemlich schnell die Grenze nach Schweden überquert. Folge ich der Landstraße 220, habe ich noch ein paar Kilometer mehr in Norwegen. Ich mag nicht die Schnellstraße fahren, sondern noch ein bisschen die Landschaft genießen. Das macht mir die Entscheidung ziemlich leicht und ich nehme die Verlängerung über den Enningdalsveien.

In Halden fahre ich direkt auf die imposante Festung Fredriksten zu. Anschauen kann ich sie mir leider nicht mehr. Also steht auch sie jetzt auf meiner Löffelliste.

Und dann bin ich in Schweden. So einfach und so unspektakulär. Ich folge der 165, die über viele Kilometer schnurstracks geradeaus nach Süden durch die Landschaft führt. Da weiß ich aber noch nicht, dass die Strecke von einigen Baustellen unterbrochen wird. Durch manche kann ich durchfahren, andere haben Umleitungen, die mich auf schmalen Wegen zu abgelegenen Örtchen bringen. Ich bin froh, dass es nur wenig Verkehr gibt, denn nicht immer sind die Straßen für mein dickes Wohnmobil optimal.

Nach der dritten kilometerlangen Umleitung habe ich genug und fahre schließlich doch wieder auf die E6.
Meine letzten Nächte in Skandinavien
Nach fast sechs Stunden Fahrt finde ich bei „Rönnås Lada„, einen kleinen Stellplatz auf einem Hof. Als ich mich bei der Gastgeberin anmelde, unterhalten wir uns ein bisschen über meine Reise und wohin ich fahre. Dann zeigt sie mir Dusche und WC, die beide unisex genutzt werden.

Ich habe zwei Nachbarn und mit den beiden aus den Niederlanden komme ich ins Gespräch. Sie sind schon einige Zeit unterwegs und eigentlich auf der Heimfahrt. Doch die Temperaturen zu Hause sind ihnen mit über 35°C viel zu heiß. So haben sie beschlossen, spontan noch ein paar Tage länger hier in Schweden zu bleiben. Ehrlich gesagt empfinde ich es auch hier in Schweden inzwischen ziemlich heiß. Doch zu Hause muss die Glut auf mich warten.

Mich zieht es ans Meer, das rund zwei Kilometer entfernt liegt. Nach der langen Fahrt tut mir Bewegung gut und so laufe ich ans Kattegat. Inklusive falsch abbiegen und einmal umkehren. Dann erreiche ich den offiziellen Campingplatz des Ortes und kaufe mir im Strandladen ein Eis. Und dann heißt es: Schuhe aus, Füße ins Wasser.

Mit der Wassertemperatur habe ich aber nicht gerechnet: es ist badewannenwarm. Vermutlich liegt es daran, dass das Meer hier so flach ist und sich deshalb das Wasser an der Küste ziemlich stark erwärmen konnte. Kein Vergleich zum eisigen Wasser im Ersfjord am Nordmeer, an das ich unwillkürlich denken muss. Dort war das Wasser so kalt, dass ich es nur sehr kurz drin ausgehalten habe.
Was für ein Unterschied.

Am nächsten Morgen beobachte ich beim Frühstück den Rasenmähroboter im Garten nebenan. Man könnte sagen, sie sind die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe in Skandinavien. Allen voran Schweden, dem Herstellerland vom Marktführer Husqvarna. In Schweden gehört ein gepflegter Rasen zum guten Ton. Selbst an abgelegenen Höfen sind die Rasen meist akkurat gemäht. Und da ein Mähroboter auch mit den schwedischen Wetterbedingungen gut zurechtkommt, „leben“ hier die meisten seiner Art.

Zurück nach Trelleborg
Ich verlasse Rönnås Lada und fahre weiter nach Süden. Immer Richtung Trelleborg. Hier bei Böste Läge hat vor mehr als drei Wochen meine Reise zum Nordkapp begonnen. Und hier würde ich sie gern auch beenden. Doch ich bin nicht die einzige mit dieser Idee. Der Stellplatz ist voll. Ich halte nur kurz an, um einen kurzen Spaziergang zum Strand zu machen, dann fahre ich weiter.
Nach drei Versuchen tippe ich entnervt einen Platz bei einem Hotel ins Navi ein. Als ich ihn erreiche, liegt er direkt neben einem Golfplatz. Und erfüllt mir damit gleich noch einen Wunsch dieser Reise: Golf spielen. Um über den Platz zu laufen, ist es mir viel zu heiß, aber ein paar Abschläge auf der Driving Range gönne ich mir.
Und mein Stellplatz liegt dazu noch unter Bäumen. Im Schatten. An diesem heißen Tag nicht mit Gold aufzuwiegen.

Ein letztes Mal Golf – dann zur Fähre
Am nächsten Morgen gehe ich noch einmal ein paar Bälle schlagen.
Dann ist wirklich Schluss.
Ich fahre nach Trelleborg, stelle mich in die Schlange am Fährterminal und warte.

Dann verschwinden wir zwischen Lkw, Wohnmobilen und Autos im Bauch der Fähre. Ich gehe nach oben. Um 15 Uhr verlasse ich Schweden.

Vom Deck sehe ich Trelleborg kleiner werden. Dann bleibt nur noch die Ostsee.

Und Erdbeeren mit Sahne.

Zurück nach Warnemünde
Gegen 21 Uhr erreichen wir Warnemünde.
Derselbe Hafen, von dem ich vor mehr als drei Wochen losgefahren bin.

Gegen 21:45 Uhr stehe ich auf dem Stellplatz. Und dann passiert etwas, was nach dieser langen Zeit ein regelrechter Genuss ist: Es wird dunkel.
Wochenlang war Dunkelheit praktisch aus meinem Leben verschwunden. Je weiter ich nach Norden kam, desto länger blieb es hell. Am Nordkapp ging die Sonne schließlich überhaupt nicht mehr unter. Irgendwann gehörte Tageslicht mitten in der Nacht einfach dazu.
Jetzt sitze ich in Warnemünde und draußen wird es tatsächlich schwarz.
Endlich.
Kein Licht, das mich nachts wach hält.
Nur Dunkelheit.

Am nächsten Morgen fahre ich nach Hause.
Die Fahrt ist vor allem eines: brütend heiß.
Vielen Dank fürs Lesen.
Karte und Fahrstrecken dieser Tour
Skjeberg Marina – Rönnås Lada: 283 Kilometer
Rönnås Lada – Trelleborgs Golf Club: 221 Kilometer
Trelleborgs Golf Club – Mittelmole Warnemünde: 176 Kilometer (inkl. Fähre)
Dies ist der 13. und letzte Teil der Serie „Mit dem Wohnmobil ans Nordkapp“ – die ganze Serie findest du hier.


