Dies ist Teil 7 der Serie „Mit dem Wohnmobil ans Nordkapp“ – die ganze Serie findest du hier.
Nach dem Regentag in Tromsø am Tag zuvor haben sich die Wolken am nächsten Morgen verzogen und der Steinskartind parkering liegt in der Sonne. Ich lasse mir Zeit mit meiner morgendlichen Routine und genieße die Ruhe, bevor es weitergeht. Mein heutiges Ziel ist Senja, die zweitgrößte Insel Norwegens.

Obwohl ich meine Reise nur grob geplant habe, ist mir diese Insel schon im Vorfeld immer wieder begegnet. Viele beschrieben sie als ruhigere Alternative zu den Lofoten – mit beeindruckenden Bergen, tiefen Fjorden und deutlich weniger Besuchern. Ob das wirklich stimmt, werde ich in den nächsten Tagen selbst herausfinden.


Mit der Fähre nach Senja
Entlang des Kattfjords fahre ich nach Brensholmen, von wo mich eine Fähre nach Senja bringen wird. Am Kai angekommen, stelle ich mich in die Reihe der wartenden Autos. Ich steige aus und laufe ein Stück Richtung Anleger. Doch ich komme nicht weit, denn zwei Autos vor mir steht ein Caddy mit einem Nummernschild aus meiner Heimatstadt, knapp 3.000 Kilometer entfernt.

Es ist Ursel, die gemeinsam mit ihrer Hündin ebenfalls durch Norwegen tourt. Wir kommen ins Gespräch, laufen ein Stück und schauen der Fähre bei der Einfahrt zu. Während der Überfahrt kommen wir ins Plaudern. Sie war schon vor ein paar Jahren mit dem Wohnmobil in Norwegen. Auf dieser Reise will sie die Orte von damals noch einmal besuchen und neue Eindrücke mitnehmen.



Nach knapp einer Stunde legt die Fähre in Botnhamn an. Ab hier wird jede erst einmal ihren eigenen Weg fahren. Die ersten Kilometer mit dem Wohnmobil auf Senja fahren sich entspannt. Ähnlich wie zuvor in der Region Finnmark sind die Straßen nur mäßig befahren.
Husøy – ein Fischerort mitten im Meer
Wie schon so oft lasse ich mich treiben. Bei der ersten Gelegenheit biege ich rechts auf die Fylkesvei 277 ab. Die norwegischen Fylkesveier sind vergleichbar mit einer Landstraße in Deutschland. Hin und wieder sind sie etwas schmaler aber gut ausgebaut. So gelange ich schließlich in Husøy. Der Fischerort liegt auf einer nur 0,12 km² kleinen Schäre – das entspricht gerade einmal 16 Fußballfeldern. Dennoch gibt es hier sowohl eine Kindertagesstätte als auch zwei Schulen. Knapp 300 Menschen leben hier. War der Ort bis vor wenigen Jahren nur per Boot erreichbar, verbindet ihn heute ein Straßendamm mit dem Festland.

Ans parken ist leider nicht zu denken. Der offizielle Wohnmobilstellplatz (Bobilparkering) am Ortseingang ist aktuell eine Baustelle. Für die Einheimischen gibt es so schon kaum Platz, die Straßen sind sehr eng und ich will auch niemandem die Einfahrt blockieren. Auf einem großen Platz gleich nach dem Damm drehe ich um und fahre zurück. Auf dem offiziellen Husøy-Aussichtspunkt ein Stück den Berg hinauf, bleibe ich noch einmal stehen und genieße noch einmal den Blick auf den Ort.

Ersfjord – mit den Füßen ins Nordmeer
Schließlich fahre ich weiter. Unterwegs verliere ich irgendwann das Gefühl dafür, wo ein Fjord endet und der nächste beginnt. Die Küste Senjas ist stark zerklüftet und geprägt von Fjorden und Bergen. Nach knapp 40 Kilometern erreiche ich den Ersfjord. Hier gibt es einen richtigen Parkplatz, sogar für Wohnmobile. Das nutze ich, halte an und gehe das kurze Stück zum Strand.

Der weiße Sand erinnert an warme Sommerferien an der Ostsee. ‚Einmal mit den Füßen ins Nordmeer‘ denke ich, lasse meine Schuhe am Strand zurück und laufe ins Wasser. Obwohl ich ahne, was mich erwartet, hole ich tief Luft, als das kalte Wasser um meine Füße spült. Selbst in den Sommermonaten erreicht das Nordmeer selten mehr als 10 – 15° Celsius.
Lange halte ich es im Wasser nicht aus. Ich laufe zurück zum Strand, nehme meine Schuhe und bummle noch ein wenig am Ufer entlang. Dann fahre ich weiter.

Durch den Steinfjordtunnel
Wie schon so oft auf dieser Reise führt die Straße irgendwann durch einen Tunnel. Eigentlich nichts Besonderes. Doch der Steinfjordtunnel unterscheidet sich deutlich von allen, die ich bisher gefahren bin. Bisher waren sie alle gut ausgebaut und beleuchtet. Doch dieser Tunnel ist anders. Zum einen ist er unbeleuchtet und sehr schmal – vielleicht 4,5 bis 5 Meter. Zum anderen ragen überall noch kleinere und größere Felsgrate aus den Wänden. An sich ist das kein Problem, ich fahre einfach in der Mitte. Doch ausgerechnet jetzt kommt mir ein großes MAN Wohnmobil und gleich dahinter noch ein LKW entgegen. Alle drei bleiben wir stehen und fahren jeweils an den Rand. Zwischen unseren Fahrzeugen sind jetzt nur noch wenige Zentimeter Platz. Ganz langsam schieben wir uns aneinander vorbei. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir es geschafft und ich bin froh, als ich endlich das Ende des Tunnels erreiche.

Heute entscheide ich mich für einen Campingplatz. Mir gefällt sein Name: „Norwegian wild„. Er liegt etwas abseits direkt am Fjord und bietet neben den Stellplätzen auch Unterkünfte in kleinen Hütten oder einem Leuchtturm. Es sind kaum Gäste da und ich suche mir einen Platz in der untersten Reihe der terrassenförmig angelegten Stellplätze. Von hier kann ich auf den Fjord schauen und dem Wasser dabei zusehen, wie es langsam zurückkehrt. Später bestelle ich mir im Restaurant des Platzes einen Toast und das vermutlich teuerste Glas Weißwein.

Am nächsten Morgen genieße ich meinen Kaffee mit der Aussicht auf den Fjord. Dann packe ich meine Sachen zusammen und starte den Motor.
Als ich kurze Zeit später Senja über die Brücke nach Finnsness verlasse, weiß ich nur eines: Der Abstecher hat sich gelohnt. Vor mir liegen jetzt die Lofoten. Was mich dort erwartet, werde ich schon bald herausfinden.

Karte und Fahrstrecken dieser Tour
Botnhamn ferjekai – Husøy: 16 Kilometer
Husøy – Ersfjord Beach: 40 Kilometer
Ersfjord Beach – Steinfjord Tunnel: 7 Kilometer
Steinfjord Tunnel – Camping „Norwegian Wild“: 51 Kilometer
Camping „Norwegian Wild“ – Finnsness: 30 Kilometer
Teil 8 der Reise „Mit dem Wohnmobil ans Nordkapp“ folgt
Die ganze Serie findest du hier.


