Dies ist Teil 9 der Serie „Mit dem Wohnmobil ans Nordkapp“ – die ganze Serie findest du hier.
Nach dem Wikingermuseum in Borg geht es für mich weiter nach Westen. Mein nächstes Ziel der kleine Ort Nusfjord. Unterwegs könnte ich nach jeder Kurve stehen bleiben und schauen. Die Landschaft der Lofoten wird immer schöner. Überall erheben sich Felsen und Berge aus dem Meer. Und wo immer sie ein paar Meter Platz gelassen haben, siedeln Menschen in ihren farbigen Häusern oder stehen die Holzgestelle für den Stockfisch.


Nusfjord – mehr als ein Freiluftmuseum
Dann erreiche ich Nusfjord im Süden der Insel Flakstadøy. Die wenigen Parkplätze im Ort sind schon belegt, aber ich habe Glück und kann Laika in einer Parkbucht ein Stück außerhalb abstellen. Der Weg führt mich wieder vorbei an den typischen roten Häusern mit den weißen Fensterrahmen. Viel Platz bietet die Bucht nicht und jeder Meter zwischen Meer und steilem Felsen wurde genutzt. Die meisten Häuser stehen auf Pfählen auf den riesigen Felsbrocken der letzten Eiszeit. Viele der Häuser stammen aus dem 19. Jahrhundert und sind sehr gut erhalten. Deshalb wurde Nusfjord 1975 als eines der norwegischen Pilotprojekte für das Europäische Denkmalschutzjahr ausgewählt. Heute kann er in den Sommermonaten als Freilichtmuseum besucht und besichtigt werden. Und in den zu Ferienwohnungen umgebauten Häusern oder Hotels übernachten. So wird man mit dem Einzug in eine Unterkunft zu einem Teil des Museums.

In der Bäckerei aus dem 19. Jahrhundert kaufe ich mir eine Zimtschnecke. Die ist ziemlich groß. Also denke ich mir ‚“‚erst mal nur kosten‘ und beiße rein. Keine zehn Minuten später ist nichts mehr von ihr übrig. So geht es mir mit diesen süßen Backwaren hier andauernd. Eigentlich will ich nur mal kosten oder maximal eine halbe Schnecke essen. Und nur kurze Zeit später ist nichts mehr da. Sie sind eben so richtig lecker.

Ein Stück weiter erreiche ich den „Landhandel“ und steige die Treppen hinauf. Drinnen verströmt alles einen nostalgischen Charme und wirkt ein bisschen wie der Einkaufsladen einer Puppenstube. Ein kleines Café lädt zu einer gemütlichen Pause ein und am Tresen kann man Magnete, Postkarten oder andere Mitbringsel kaufen.


Obwohl einige Besucher unterwegs sind, strahlt Nusfjord eine angenehme Ruhe aus. Der kleine Ort gehört zu den ältesten und am besten erhaltenen Fischerdörfern Norwegens und steht heute unter Denkmalschutz.

Überall brüten Möwen und machen dabei mächtig Lärm. Immer wieder stacheln sie sich gegenseitig an, fliegen eine Runde und setzen sich dann schreiend in ihre Nester. Bis die nächste kreischend einen Angriff startet. Ihre Nester haben sie auf Hausvorsprüngen, Fenstern, Türrahmen und an einem Fels direkt am Hafen gebaut. Es sind Dreizehenmöwen, deren Bestand stark zurückgeht. Deshalb bitten überall im Ort Schilder darum, rücksichtsvoll zu sein und Abstand von den Nestern zu halten.


Zwei Stunden bleibe ich in Nusfjord. Dieser Ort betört durch seinen Charme und ich nehme mir vor, hier mal ein / zwei Nächte zu verbringen.
Für diesen Abend bin ich mit Ursel verabredet. Sie campt auf dem Lofoten Beach Camp und ich entscheide mich, auch mal wieder auf einem Campingplatz zu übernachten.
Lofoten Beach Camp
Als ich dort ankomme, bin ich über die Ausmaße des Platzes überrascht. Er gehört zu den größten Campingplätzen der Inselgruppe und ist im Moment sehr gut besucht. Hier ist freie Platzwahl und ich fahre ein / zwei Runden, bevor ich einen Platz finde. Neben Stellplätzen für Wohnmobile und Zelte gibt es moderne Sanitäranlagen, eine Beach Bar, Surfkurse, Stand-up-Paddling und sogar eine Sauna mit Blick aufs Meer. Die Lage des Campingplatzes ist perfekt als Ausgangspunkt für Erkundungen der westlichen Lofoten. Mir ist der ganze Trubel und die vielen Menschen eigentlich zu viel. Aber Ursel und ich verbringen einen schönen Abend miteinander.

Hamnøy
Am nächsten Morgen stehe ich zeitig auf, um dem Trubel im Duschhaus zu entgehen. Mein Vorhaben klappt und ich bin früh genug, um dem morgendlichen Ansturm zuvor zu kommen.

Denke ich an die Lofoten, sehe ich immer dieses eine Bild. Die roten Holzhäuser direkt am Wasser und im Hintergrund hoch aufragende Berge. Genau dieses Motiv liegt jetzt vor uns – in Hamnøy. Der Ort ist so klein, dass er nicht mal einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Und das obwohl er einer der bekanntesten Fotomotive der gesamten Lofoten ist. Vermutlich hat die Brücke der E10 den letzten Impuls dazu gegeben. Denn von ihr hat man einen wunderbaren Blick auf Hamnøy. Und so stehen auch Ursel ich auf der Brücke, zücken unsere Handys und nehmen diese Erinnerung mit.

In den Ort selbst laufen wir nicht. Wir schauen nur. Geht der Blick in die andere Richtung, hat man einen wunderbaren Blick auf Sakrisøya, dem Ort, der auf einer kleinen Insel zwischen Hamnøy und Reine liegt.

Reine auf den Lofoten
Nur fünf Kilometer sind es jetzt bis Reine. Der Parkplatz des Ortes ist riesig, hier finden wir entspannt einen Platz. Dann bummeln wir ein bisschen durch den Ort, als plötzlich ein mehrstimmiges „Aahhh“ ertönt. Erst kann ich es nicht so recht zuordnen, bis ich das einparkende E-Fahrzeug neben mir sehe. Die Tage der nervigen Piepser beim rückwärts fahren scheinen gezählt zu sein. Das kirchlich anmutende „Aahhh“ als Warnton hat mich zumindest schon mal zum lachen gebracht.


In Reine ist auch der vermutlich bekannteste Aussichtspunkt der Lofoten. 1.978 Stufen sind dafür zu steigen, um auf den Berg Reinebringen zu gelangen. Drei Stunden soll die Wanderung dauern. Wir schauen uns das ganze von unten an, verwerfen den Wanderimpuls und beschließen, im „Tapperiet Bistro“ zu Mittag zu essen. Hier setzen wir uns auf die Terrasse und bestellen Fish and Chips und Seelachs. Während wir warten, beobachten wir das Treiben um uns herum. Die Terrasse ist gut besucht und es bummeln auch mehrere Menschen durch den Ort. Die Sommersaison hat gerade erst begonnen, vermutlich ist es noch ziemlich entspannt. Unser essen kommt und es schmeckt fantastisch. Beste Entscheidung.

Å auf den Lofoten
Satt und zufrieden fahren wir weiter nach Å, einem von nur einer Handvoll Orte weltweit, deren Name nur aus einem einzigen Buchstaben besteht. Im Altnordischen bedeutet Å so viel wie Bach oder kleiner Fluss.
Je weiter wir nach Westen kommen, desto stärker habe ich das Gefühl, dass der Lebensraum immer enger wird. Die Berge rücken näher an die Straße heran und zwischen Fels und Meer bleibt oft nur ein schmaler Streifen Land. Kein Wunder – wir sind fast am westlichsten Ende der Lofoten angekommen. Hier endet die Europastraße E10. Danach geht es nur noch mit der Fähre oder dem Boot weiter.
Der große Parkplatz zeigt, wie beliebt Å inzwischen ist. Von hier sind es nur wenige Schritte bis in den Ort, der sich zwischen den Felsen und dem Hafen ausbreitet.


Die Fischerdörfer auf den Lofoten waren lange Zeit sogenannte „Fiskevær“ (Fischerstationen). Im 19. Jahrhundert gehörten Land, Hafen, Rorbuer (die roten Häuser), Trockenfischgestelle und oft sogar der Laden einem einzigen Besitzer – dem Væreier (Fischerdorfbesitzer oder Handelsmann). Die Fischer besaßen dort meist nichts. Sie kamen zur Saison, wohnten in den Rorbuern, verkauften ihren Fang an den Væreier und kauften bei ihm ihre Ausrüstung und Lebensmittel. Das hatte fast etwas Feudales.

Å wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Kaufmann Johan Ellingsen aufgebaut. Über mehrere Generationen blieb die Fischerstation im Besitz seiner Familie. Zum Anwesen gehörten nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Laden, Bäckerei, Bootshäuser, Tranbrennerei und die Fischerhütten.

Abschied von den Lofoten

Wir beschließen, die Inseln zu verlassen. Von Moskenes geht eine Fähre nach Bodø auf dem Festland. Es ist schon später Nachmittag, als wir den Fährhafen erreichen. Die nächste Überfahrt ist erst in zwei Stunden. Direkt am Hafen gibt es einen Campingplatz. Doch wir wollen erst auf dem Festland übernachten und warten in einer der Reihen am Kai. Als das Boarding beginnt ist recht schnell klar, dass ich auf die nächste Fähre warten muss, während Ursel mit ihrem kleinen Auto noch mitfahren kann. Als sie abgelegt haben warte ich weitere zwei Stunden auf das nächste Schiff. Das kommt 21.30 Uhr an, 1.30 Uhr am nächsten Morgen werden wir das Festland erreichen.

Die Fahrt verbringe ich fast vollständig an Deck. Das warten hat mir vermutlich die Überfahrt mit dem spektakuläreren Himmels-Farbspiel beschert. Und ich komme auch nur eine Stunde nach Ursel an unserem gewählten Übernachtungsparkplatz an, denn ich habe im Gegensatz zu ihr keinen Zwischenstopp. Als ich ankomme, bin ich dann doch ziemlich platt. Der Tag war lang und ich will nur noch schlafen. Auch wenn es draußen noch immer hell ist, wie an einem Sommerabend kurz vor Sonnenuntergang.

Karte und Fahrstrecken dieser Tour
Wikingermuseum – Parkplatz Vareid: 26 Kilometer
Parkplatz Vareid – Nusfjord: 11 Kilometer
Nusfjord – Hamnøy: 36 Kilometer
Hamnøy – Reine: 5 Kilometer
Reine – Å: 9 Kilometer
Å – Moskenes: 5 Kilometer
Dies ist Teil 9 der Serie „Mit dem Wohnmobil ans Nordkapp“ – weiter geht es in Teil 10 (folgt in Kürze)
Die ganze Serie findest du hier.


